Bibi Lemmers – eine Krankenschwester aus den Niederlanden erobert das Schweizer Gesundheitswesen

” Ich habe inzwischen sehr viele Erfahrungen sammeln dürfen und interessante Menschen kennen gelernt.”

Hoi, Ciao, Grüezi

 

Krankenschwester in der Schweiz – Mein Name ist Bibi, ich wohne und arbeite inzwischen schon seit März 2018 im Schweizer Aarau. Im hiesigen Universitätsklinikum bin ich als Krankenschwester in Vollzeit bei der Abteilung „Medizin“ tätig. Die verschiedenen Abteilungen bzw. Spezialisierungen sind in der Schweiz anders aufgeteilt als in den Niederlanden. Das bedeutet, das in der Abteilung “Medizin” viele Patienten mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern aus verschiedenen Fachrichtungen behandelt werden.

Mir als Krankenschwester bietet dies einen Arbeitsplatz mit hoher Diversität und einem abwechslungreichem Arbeitsumfeld. Von neurologischen und kardiologischen Patienten bis zu Patienten mit einem “Superinfekt”, von Telemetriemonitoring und Tracheostoma bis zu Diabetes. Kein Tag sieht für mich gleich aus. Jeder Tag gestaltet sich anders, manchmal mit neuen Krankheitsbildern und Operationen.

“An meinem ersten Arbeitstag war ich unheimlich aufgeregt, aber meine neuen Kollegen sind super nett und hilfsbereit. So konnte ich mich sehr schnell eingewöhnen.”

Eine niederländische Krankenschwester in der Schweiz – Mein erster Arbeitstag

 

An meinem ersten Arbeitstag war ich unheimlich aufgeregt. Ich kam allein in die Schweiz und war völlig fremd. Mir wurde im Vorfeld erzählt, dass Schweizerdeutsch dem normalen Deutsch ziemlich ähnlich ist. Aber Ihr könnt mir glauben, wenn Schweizer sich miteinander unterhalten klingt das sehr chaotisch für Ausländer. Es geht unglaublich schnell und viele Buchstaben werden einfach verschluckt. In den ersten zwei Wochen war es für mich sehr schwierig zu verstehen was gemeint wurde.  Zum Glück kann jeder Schweizer auch Hochdeutsch und so haben mir meine neuen Kollegen geholfen. Hochdeutsch ist für Niederländer das normale Deutsch. Nach zwei Wochen konnte ich das Schweizer Deutsch schon ein wenig besser sprechen und verstehen. So kommuniziere ich inzwischen besser Schweizer Deutsch als das Hochdeutsch.

 

Ich habe wirklich viel Glück mit dem Team gehabt. Meine neuen Kollegen waren sehr offen und so konnte ich mich schnell eingewöhnen. Ich durfte bisher sehr viel dazu lernen und das Team hat mir alle Fragen bereitwillig beantwortet. Selbst die Ärzte hatten überhaupt kein Problem damit, die Visite in den ersten Wochen in Hochdeutsch zu absolvieren und dabei wichtige Abläufe in der Abteilung zu erklären.

Schweiz – Wohnen und Arbeiten

 

Als Krankenschwester lebte ich anfangs in einem vom Krankenhaus vermittelten Personalhaus, jetzt wohne ich in meinem eigenen Haus. Es war für mich sehr schön, dass das von Arbeitgebern geregelte Wohnprinzip auch hier gilt. Das ersparte mir viel Ärger und Unsicherheit (da niemand ein Objekt an einen Ausländer ohne Aufenthaltserlaubnis vermietet hat). Hat man in der Schweiz einen unbefristeten Arbeitsvertrag, erhält man fast problemlos eine Aufenthaltserlaubnis. Den unbefristeten Vertrag bekam ich bereits nach meiner dreimonatigen Probezeit und damit auch eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis.

 

Als Krankenschwester darf ich in der Schweiz viel selbstständiger arbeiten und aus meiner Erfahrung heraus handeln. Es wird auch sehr sparsam mit Medikamenten umgegangen und zum Beispiel noch vermehrt Kräuterpräparate eingesetzt. Wenn ein Patient zum Beispiel nicht schlafen kann und allgemein unruhig ist, bekommt er zuerst Kräutertee und nur, wenn sich herausstellt, dass dies unwirksam ist, wird eine Schlaftablette oder ein Entspannungsmittel verschrieben. Auch werden häufig Geruchs-, Geschmacks- und Wärmetherapien eingesetzt. Das ist in den Niederlanden eigentlich undenkbar.

 

Der Anfang war ziemlich gewöhnungsbedürftig und anstrengend (eigentlich ist alles neu). Am Ende eines anstrengenden Tages kommst du alleine nach Hause in ein Haus, in dem nichts dir gehört und den ganzen Tag über verstehst du die Hälfte nicht. Aber das ist ein Abenteuer, das ich wirklich nicht missen wollte. So viele schöne und neue Dinge, die ich sehe und erleben kann. Ich war schon an so vielen schönen Orten und es gibt noch so unglaublich viel zu besichtigen!